Die Wiederherstellung eines harmonischen Zusammenspiels von Funktion und Ästhetik ist Ziel einer jeden implantologischen Versorgung. Diesem Ideal kommt man umso näher, je genauer präoperative Planung und chirurgische Implantationsinsertion durchgeführt werden. Nur allzu oft müssen jedoch infolge ungenauer Implantatpositionen sowie stark zueinander divergierender Implantatachsen prothetische Kompromisse eingegangen werden, aus denen Paßungenauigkeiten, eine eingeschränkte Funktionalität und eine mangelhafte Ästhetik resultieren.
Bislang gibt es keine einfachen, intraoperativ anzuwendenden Hilfsmittel, die eine parallele Implantateinbringung ermöglichen, ohne dabei den chirurgischen Handlungsspielraum zu verlieren.
Ergebnisse
In einer klinischen Studie über 21 Monate wurden mittels der Parallelbohrhilfe 289 Implantate eingebracht. Diese Gesamtzahl verteilte sich auf 199 Implantate im Unterkiefer bei 44 Patienten und 90 Implantate im Oberkiefer bei 13 Patienten. Die Einheilungszeiträume betrugen im Unterkiefer zwischen 3 und 6 Monaten und im Oberkiefer zwischen 6 und 8 Monaten. Im gesamten Verlauf traten keine Frühinfektionen im Bereich des lmplantatbetts oder der bedeckenden Weichteile auf. Bislang wurden 136 Implantate freigelegt und prothetisch versorgt. Die Verlustrate infolge fehlender Osseointegration betrug zum Zeitpunkt der lmplantatfreilegung im Unterkiefer 0%, im Oberkiefer 7,4% (4 Implantate). Die Messung der Abweichung der Implantatachsen zueinander erfolgte anhand der Meistermodelle für die prothetische Versorgung. Hierbei gingen von den insgesamt 289 inserierten Implantaten alle 136 freigelegten Implantate in die Auswertung ein. Die Ermittlung der Achsabweichung erfolgte mit Hilfe eines Parallelometers durch einen 6°-Konus-Stift sowohl in vestibub-oraler als auch mesio-distaler Richtung. Hierdurch konnte festgestellt werden, daß kein Implantat eine größere Achsdeviation als 10° aufwies, 9 Implantate zeigten sowohl in vestibulo-oraler als auch mesio-distaler Richtung Abweichungen zwischen 6° und 10° und 127 Implantate waren mit einer geringeren Achsabweichung als 6° inseriert.
Diskussion
Die Parallelbohrhilfe ermöglicht eine flexible intraoperative Einsetzbarkeit zur parallelen Ausrichtung der Implantate auch über große Distanzen hinweg. Hierbei gewährleistet sie einen maximalen chirurgischen Handlungsspielraum, so daß immer ein idealer Kompromiß zwischen prothetischer Planung und dem intraoperativ vorgefundenen Knochenangebot erzielbar ist. Da ein zeitraubendes überprüfen und Korrigieren der Implantatausrichtung mittels sogenannter "Guide-Pins" entfällt, wird durch den Einsatz der Parallelbohrhilfe zudem die Operationszeit wesentlich verkürzt. Die bei 6,6% der inserierten Implantate aufgetretenen Abweichungen > 6° waren in diesen Fällen nicht auf Ungenauigkeiten in der Handhabung der Parallelbohrhilfe zurückzuführen, sondern resultierten aus bewußten Abweichungen der definitiven lmplantatbettbohrung. Diese waren erforderlich, um in Bereichen mit reduziertem Knochenangebot (z. B. Oberkiefer-Front) einen günstigen ästhetisch-funktionellen Kompromiß erzielen zu können. Überhitzungen des Knochens in der Grenzfläche Implantat-Knochen sind bei korrekter Handhabung (ausreichende Wasserkühlung) ausgeschlossen. Mögliches Anzeichen derartiger überhitzungen wäre eine erhöhte Rate an nicht osseointegrierten Implantaten zum Zeitpunkt der lmplantatfreilegung, die jedoch im Rahmen der Studie nicht nachvollzogen werden konnte. Die Anzahl der nicht osseointegrierten Implantate liegt mit 0% im Unterkiefer und 7,4% im Oberkiefer keinesfalls höher, als dies in der Literatur bei herkömmlichem Vorgehen ebenfalls angegeben wird. Durch den Einsatz der Parallelbohrhilfe wird das prothetische Ergebnis hinsichtlich der Funktion entscheidend optimiert, da ein spannungsfreier Sitz der Suprakonstruktion technisch umso besser realisierbar ist, je paralleler die Implantate zueinander eingebracht sind. Einschränkungen im Bereich der Ästhetik, die durch den Einsatz abgewinkelter Abutments oder infolge von Vestibulärverschraubungen entstehen, können bei ausreichendem Knochenangebot ebenfalls vermieden werden. Somit läßt sich zusammenfassen, daß durch den Einsatz der Parallelbohrhilfe unter Vereinfachung und Verkürzung der chirurgischen Implantatinsertion das prothetische Ergebnis entscheidend verbessert werden kann.