Hautdehnschraube

Die Vorteile der Hautdehnschraube liegen in erster Linie in der primären Tumorchirurgie und Traumatologie, immer dann, wenn man sich unvermittelt einem primär nicht verschließbaren Defekt oder Entnahmedefekt gegenübersieht. Bei infizierten traumatischen Wunden z.B. bei Osteomyelitis, besteht die Möglichkeit, die offene Wundbehandlung und den kontinuierlichen Wundverschluß parallel durchzuführen und den Wundverschluß den Fortschritten in der Infektionsbekämpfung anzupassen.

Bei elektiven Rekonstruktionen liegt der Vorteil der Zugvorrichtung gegenüber dem Hautexpander in der Wirtschaftlichkeit und der kürzeren Behandlungsdauer.

Prof. Dr. Dr. Voy, Leiter der Klinik für Mund-, Kiefer-Gesichtschirugie und Plastische
Operationen am Ev. Krankenaus Hattingen/Ruhr, beschäftigt sich u.a. mit der funktionellen und ästhetischen Rekonstruktion verlorengegangener Gewebeareale an der Körperoberfläche.
Seine Idee, durch langsame Dehnung der Haut in eine gewünschte, definierte Richtung größere Defekte zu verschließen, wurde von uns praktisch umgesetzt.

PUBLIKATIONEN:
Handchir. Mikrochir. Plast Chir. 27(1995) K21
Handchir. Mikrochir. Plast Chir. 30(1998) im Hippokrates Verlag Stuttgart

Hautdehnschraube und Hautexpander moderne Techniken
zur Erweiterung der Möglichkeiten bei Nahlappenplastiken und Defektverschlüssen

E. -D. VOY*, R. Herr*, K. Hoffmann**,

*Klinik für Mund-, Kiefer-Gesichtschirugie und Plastische
Operationen am Ev. Krankenaus Hattingen/Ruhr
Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum
Bredenscheiderstr. 54 D 45525 Hattingen/Ruhr

**Dermatologische Universitätsklinik
der Ruhr-Universität Bochum
St-Joseph-Hospital
Gudrunstr. 56, D 44791 Bochum

Im Gesichts-, Kopf- und Halsbereich sind Nahlappenplastiken mit ortsständigem Material gefäßgestielten oder freien Fernlappenplastiken in ästhetischer Hinsicht oft überlegen. Bei großen Defekten sind den Nahlappentechniken jedoch infolge knapper Spenderareale Grenzen gesetzt. Die Einführung der Hautexpansion durch Neumann 1957 und Radovan 1976 hat das Spektrum der Nahlappenplastiken und direkten Defektverschlüsse in diesem Bereich erheblich erweitert. Das von Hirshowitz 1993 inaugurierte und durch eigene technische Entwicklungen ausgebaute Prinzip der unidirektionalen Hautdehnung durch Zugvorrichtungen brachte zusätzliche Möglichkeiten zur Ausweitung von Nahlappenplastiken.
Die praktische Anwendung der entwickelten Zugvorrichtungen, die bei der unidirektionalen Hautdehnung auftretenden morphologischen Veränderungen der Haut und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Planung von Lappenplastiken und Defektverschlüssen wurden dargestellt und typischen Anwendungen von Hautexpandern gegenübergestellt. Auch wenn bezüglich der Haut im gedehnten bzw. gestreckten Areal vergleichbare Veränderungen beobachtet wurden und damit auch das gleiche Komplikationsspektrum droht, bestehen in der praktischen Anwendung erhebliche Unterschiede. So konnten wir in den ca. 20 bisherigen Anwendungen bestimmte lndikationsschwerpunkte herausarbeiten. Die Hauptanwendungen waren bei uns im Bereich der Galea. Insbesondere bei Entnahmedefekten zu großen Stimlappen zur Nasenrekonstruktion konnte während der ca. 14 Tage, in denen der Stimlappen an der Glabella gestielt war, der Entnahmedefekt mit der Hautdehnschraube langsam verschlossen werden. Auch andere Entnahmedefekte bei großen Galeaplastiken konnten in dieser Technik ohne weitere Eingriffe versorgt werden.


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